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Dem Reiz einer Winterlandschaft kann sich kaum
jemand entziehen, der sich gerne in der Natur aufhält. Wenn sich, wie
bei mir, die Freude an der Natur mit der Liebe zum Rennrad Sport trifft,
ist das Ergebnis vorhersehbar. Das Motto - nichts wie raus auch wenn es
"zapfig kalt" ist. Obwohl der Januar 2017 einer der kältesten Monate
war, habe ich knapp 1000 Kilometer auf Bayerns Straßen zurückgelegt. Was
ich während meiner ersten Wintersaison gelernt habe, meine Erfahrungen
und Eindrücke findet Ihr hier auf dieser Seite.
Das Wichtigste ist natürlich der Schutz gegen die Kälte.
Mach es wie die Zwiebel - mehrere Schichten ist der beste Schutz gegen
die Kälte. Bei Temperaturen unter 2 Grad reicht meine einfache lange
Radhose nicht aus. Das musste ich letztes Jahr schmerzhaft erfahren. Die
Idee ist ganz einfach. Ich ziehe meine normale kurze Sommerhose an. Für
40,- Euro habe ich mir noch eine Stretch-Winterlaufhose gekauft. Die
kommt rüber. Seitdem gibt es keine Temperaturprobleme mehr, auch bei
Minus 8 Grad. Über Null Grad fahre ich mit meinen normalen Sommer
Rennrad Schuhen mit Überschuh. Unter Null Grad kommen warme Mountainbike
Schuhe mit Überschuhen zum Einsatz. Die Treter sind zwar schwerer aber
nichts kann einem die Freude an der Tour schneller vertreiben, als kalte
klamme Zehen.
Der Oberkörper wird ebenfalls durch mehrere Schichten geschützt, bei
Temperaturen unter Null Grad sind es vier Schichten. Auch hier kommt
Funktionswäsche aus dem Laufbereich zum Einsatz. Der Vorteil, diese
Teile sind wirklich günstig. Nur bei der obersten Schicht habe ich nicht
gespart. Ein knallgelbes Langarm Rennrad Trikot ist mein eigen, denn hier kommt der
Aspekt "Sicherheit" ins Spiel. Gerade im Winter, wenn sich oft Nebel
über die Landschaft legt, ist es wichtig, gesehen zu werden. Dunkle Kamotten sind da fehl am Platz.
Auch meine Hände bekommen einen "Doppelschutz". Die Unterschicht sind
meine normalen Sommer Rennrad Handschuhe. Ich habe die gerne, wegen der
Polster für die Innenflächen. Und darüber kommen Langlauf Handschuhe. Der
Vorteil ist auch hier der Preis und auch die zwei Schichten. Die meisten
Winterhandschuhe für Rennräder sind erst ab wärmeren 7° tauglich. Und
die wenigsten haben die praktischen Polster für die Innenflächen.
Naja, auch an den Kopf muß man denken - der Helm muß natürlich dabei
sein. Ich kann es nicht nachvollziehen, warum ich immer wieder
Rennradler mit Wollmützen statt dem Helm sehe. Im Winter ist noch mehr
Sturzrisiko vorhanden (Glatteis, weniger Platz auf den Straßen..) und
eine Wollmütze hält zwar warm aber sicher ist etwas anderes. Also eine
Unterhaube ist die Lösung. Die kostet nicht viel und hat unter dem Helm
Platz. Die Alternative ist auch ein Vollschutz für den Kopf mit
Atemschutz, da sind dann nur mehr die Nase und die Augen frei. Das ist
Geschmackssache, ich habe lieber den Mund frei, auch wenn es manchmal
etwas kühl wird.
Nicht nur der Fahrer leidet!

Eines war mir übrigens nach wenigen Wintertouren klar - mein
schönes Simplon Inissio ist kein Winterrad. Ein zweites Rad muss her.
Mein Radhändler hat ein gutes KTM, mit der gleichen Rahmengröße und auch
der gleichen Schaltgruppe für mich gehabt. So habe ich zum einen einen
braven "Winterbock" und zum anderen auch ein Ersatzrad, wenn mein
Simplon mal in Reparatur oder Service ist.
Der schlimmste Feind des Rennrades sind nicht die tiefen
Temperaturen, es ist das Salz auf der Straße. So wichtig es für die
Sicherheit ist, die Nässe und das Salz vermischen sich zu einer recht
aggressiven Mischung, die in jede Ritze des Rennrades geht. Bei mir waren
es nach etwa 900 Kilometer die Bremsen. Die Feuchtigkeit hat das Salz in
die Bremsleitungen transportiert. Dort hat es die Eigenschaften von
Schmirgelsand angenommen. Die Bremse hat kaum mehr funktioniert. Auch
auf der Felge, am Rahmen ... finde ich nach einer Tour immer eine
Salzkruste. Mein Fazit - noch bevor ich mich pflege, kommt das Rad unter
die Dusche - nach jeder Tour - und wird gründlich gereinigt. So wasche
ich das Salz runter, noch bevor es aushärtet.
Bei welchen Bedingungen fahre ich raus:
Nun, die Temperatur ist für mich kein Hinderungsgrund. Auch minus 8°
stellen kein Problem dar, allerdings sollte da zumindest die Sonne
scheinen, sonst macht es nicht unbedingt Spaß. Für mich geht es
hauptsächlich um die Straßenverhältnisse. Die Straßen müssen frei sein,
ansonsten bleibt auch mein Winter Rennrad im Stall. Und bei Schneefall
gibt es für mich tatsächlich die Rolle oder alternative Sportarten, wie
Langlaufen. Aber ganz offen gesagt, nichts kann für mich das Out-Door
Erlebnis am Rennrad ersetzen.
Trinken unterwegs:
Grundsätzlich brauche ich im Winter weniger zu trinken. Ich muß
mich teilweise wirklich zum Trinken zwingen, denn Durstgefühl stellt sich bei
kühlen Temperaturen bei mir nicht ein. Trotzdem merke ich, daß der
Körper austrocknet. Das erste Indiz
sind leichte Kreuzschmerzen, spätestens da weiß ich, daß ich an meiner "Nuckelflasche"
ziehen muß. Dumm nur, wenn die Temperaturen zu kühl sind und der Inhalt
sich zu einem Eisblock verformt hat. Das bringt mich zum nächsten Punkt.
Die Länge der Touren im Winter:
Bei Minusgraden merke ich, daß mein Körper mehr Energie verbrennt. Als
ich mal eine 80km Tour gemacht habe bei -5° habe ich gemerkt, daß mir
trotz der Bewegung irgendwann kalt geworden ist. Obwohl ich mich
eigentlich wohl gefühlt habe, ist meine Leistung in den Keller gegangen.
Sicherlich hat auch der Flüssigkeitsmangel dazu beigetragen, denn nach
etwa 30 Kilometer war der Inhalt meiner Trinkflasche zu Eis erstarrt.
Etwa 30 Kilometer ohne Flüssigkeit zu fahren, ist für mich kein großes
Problem - aber nicht mehr. Genau das ergibt für mich die Länge der
Touren im Winter. Bei -5° oder kälter sind es maximal 70 Kilometer, um
den Gefrierpunkt können es schon mal 90 Kilometer sein und bei leichten
Plusgraden habe ich auch schon mal die 100 Kilometer Marke geknackt.
Die Intensität der Touren im Winter:
Der zentrale Punkt beim Rennrad Fahren ist für mich immer der Spaß, die
Freude an der Bewegung. Sicherlich ist es auch eine Befriedigung der
Sucht nach der Bewegung und das Streben nach dem guten Gefühl nach der
Tour. Meine ersten Wintertouren habe ich, angefangen, wie eine
Sommertour. Gleich Druck auf das Pedal und der Tourenschnitt sollte
nicht unter 30 km/h sein. Das ist natürlich ein großer Fehler gewesen.
Der Puls ist gleich auf den ersten Kilometern hochgeschellt und ich habe
mich während der gesamten Tour nicht mehr unter Kontrolle bringen
können. Einmal habe ich meine Tour sogar abgebrochen. Aus meinen Fehlern
habe ich gelernt und so gilt für mich bei tiefen Temperaturen das Motto:
"Weniger ist Mehr.".
Gerade zum Beginn der Tour, wo mein Körper noch nicht auf
Betriebstemperatur ist, lasse ich es langsam angehen. Meine Atemfrequenz
sollte sich nur leicht erhöhen. Bei leichtem Gegenwind kann es mal sein,
dass ich mit gemütlichen 24km/h dahin schleiche, bei niedrigem Gang.
Sobald ich merke, daß ich warm werde, erhöhe ich das Tempo leicht und
fahre manchmal auch etwas auf Druck. Allerdings bemühe mich mich immer,
meinen Atem unter Kontrolle zu halten. Gerade bei Steigungen nehme ich
den Druck raus, so lange, bis ich ohne zu große Kraftanstrengung treten
kann. Ich muß immer das Gefühl haben, nicht am Limit zu sein, sondern
problemlos noch 1-2 Schippen drauflegen zu können, dann ist es richtig.
Die Belohnung liegt auf der Hand - ich war trotz der tiefen Temperaturen
während des gesamten Winters nicht krank, obwohl auch in meiner Firma
die Grippewelle gewütet hat. Und was den Schnitt anbelangt, da entwickle
ich keinen falschen Ehrgeiz, was geht, geht und wenn ich mal mit einem
gemütlichen 28 km/h Schnitt heimkomme ist das allemal besser, als am
nächsten Tag flach zu liegen.
Die immer wiederkehrende Frage von Kollegen und Freunden - warum nur
tust Du Dir das an?
Sicherlich ist es die Liebe zum Radsport und auch die Sucht nach der
Bewegung, die mich raus treibt. Das Treten auf der Rolle kann das
Gefühl, am Rennrad über die Straßen dahinzufliegen, nicht ersetzten.
Eine weiterer Beweggrund ist auch die Formkurve. Ich hoffe, meine gute
Herbstform über den Winter zu konservieren, um im Frühjahr auf einem
höheren Level aufbauen zu können. Sicherlich ist es auch die Freude am
guten und üppigen Essen, und eine gewisse Eitelkeit. Wenn man mehr
Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht, geht man auseinander, vor
allem, wenn man jenseits der 50 ist. Gründe, im Winter sich aufs Rad zu
schwingen gibt es viele.
Der für mich wichtigste Grund ist mit Worten schwer zu beschreiben. Aber
ein paar der Fotos, welche ich während dieser Wintersaison gemacht habe,
tun es. - Viel Spaß beim Anschauen - Klickt auf das Foto, dann kommt Ihr
zu einer größeren Auflösung.
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