Wolfi´s Radsportseite - meine
Jugend und wie ich 2015 das Rennradeln wiederentdeckt habe
Wie habe ich das Radfahren für mich entdeckt, meine ersten Erfolge und
Mißerfolge
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Im Jahr 1964 bin ich im schönen Kärnten, das südlichste
Bundesland Österreichs, auf die Welt gekommen. Der Fernseher war bei uns bis zu
meinem 12 Lebensjahr kein Thema, aus einem einfachen Grund. Es hat einfach keinen gegeben! Das hat
mich in eine sehr interessante Situation gebracht, mir Gedanken über meine
Freizeit zu machen. Die Astronomie oder bekannter als "Sterndlgucken" und
natürlich Lesen sind schon seit meinem 9. Lebensjahr meine Begleiter gewesen ..
und naja,was man sich halt als Kind und Frühpubertierender so ausdenkt. Fitnesscenter sind damals in Klagenfurt aus dem Boden geschossen, das Körperbewusstsein hat um sich gegriffen und auch mich hat es im zarten Alter von 17 Jahren in die örtliche Muggibude mit dem Namen "Fitnesscenter California" verschlagen. Das Hantelschwingen hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht. Die Muskelkater eher weniger aber die sind von mal zu mal weniger geworden. Meine Eigenschaft als "guter Nahrungsmittelverwerter" hat einen tollen Nebeneffekt gehabt, ich habe sehr schnell Muskeln aufgebaut. Binnen eines Jahres habe ich mich vom "Schwarti" zum "Knorri" gewandelt. Der Begriff "Schwarti" ist ja selbsterklärend aber "Knorri" ? Der Begriff ist von Günter, einem Sternfreund von mir, geprägt geworden. Weil meine Arme und Beine wie die knorrigen Wurzeln einer Eiche ausgesehen haben. Daß Bodybuilding nicht alles ist, habe ich schnell erfahren,
wenn man die ganzen Muskelmassen, von denen ich durchaus einiges herumgeschleppt
habe, über längere
Zeit in Bewegung halten muß. Wenn da so ein Muskelberg schwitzend und schnaufend
die Treppe raufkeucht, wie so eine alte Dampflokomotive, dann hat das schon was.
Für mich ist das ein Alarmsignal gewesen, ich habe meinen Körper einseitig
trainiert und bei 176 Zentimeter und einem Oberkörperumfang, um den mich so
manches
Busenmodell beneidet hätte (128 Zentimeter), habe ich auch nicht wirklich toll
ausgesehen. Ich habe mein Höhenwachstum halt einfach zu früh beendet. |
Meine erste Radtour - ein Desaster !

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Nur wenige Tage sollte sich die Gelegenheit ergeben, mein
neuerworbenes Rennrad "kennenzulernen". Irgendwann geht es dann rechts weg in Richtung Hochosterwitz
und ... es geht aufwärts! Meine Schenkel fangen an zu brennen wie ich es bei
Kniebeugen nie erlebt habe.
Und mein Puls, den spüre ich in meinem Kopf. Und wie bekomme ich genug Luft in
meine Lungen. Ich atme wie ein Verrückter aber mir kommt es vor, dass mir die
Luft
rausgesaugt wird. Das gibt es doch nicht - und diese Steigung geht noch weiter -
ich kann nicht mehr. |
Am Ende der Saison - auf zu neuen Abenteuern
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Gefühlte 3 Jahre später - in Wirklichkeit sind es nur 3 Monate - ist für mich die Strecke Klagenfurt - Burg-Hochosterwitz schon fast eine Hausstrecke. Auch ins Rosenthal, vorbei an der schönen Hollenburg, habe ich mich getraut. Mein Körper hat sich durchaus verändert, ich habe mein Gewicht von knapp 80kg (ohne Fett) auf 76kg reduziert. Meine Muskeln sind zwar schmäler geworden aber definierter. Ich schaue nun noch mehr wie ein "Knorri" (siehe oben) aus. Aber mir gefällt es! Vor allem ist es ein tolles Gefühl, in der Ebene dahinzupreschen - Kilometer zu fressen. Ich getraue mich sogar schon "auf die Jagd zu gehen". Eine Vorliebe, die ich bis heute beibehalten habe. Wenn ich vor mir eine Gruppe oder einen einzelnen Rennradfahrer sehe, dann überkommt mich der Jagdtrieb, eine muntere Aufholjagt beginnt. Ich fühle mich schon wie der König der Landstraße und Kärnten ist ja bekanntlich nicht nur ein Land der Seen, sondern auch ein Land der Berge. Also aufgeschwungen in luftige Höhen. Die Strecke Klagenfurt nach Diex sollte es sein, der knackige Anstieg müsste ja bei meiner neu erworbenen Kondition locker zu machen sein - dachte ich. Nun, der Begriff Schicksalsberg wird für mich in den kommenden Wochen eine sehr zentrale Bedeutung bekommen. |
Die Tour von Klagenfurt nach Diex - Der Anstieg nach Diex - 800
Höhenmeter

| Also der erste Anlauf, ich rolle mich locker ein und
dann gehts los. Ich habe
ein gutes Körpergefühl bis - ja bis ich die Straße sehe, die da an die Wand
gemalt wurde. Und da
soll ich rauf? Nicht das erste Mal und sicher auch nicht das letze Mal habe ich
mich gefragt, was für ein schräges Hobby ich mir da ausgesucht habe. Aber mein
Ehrgeiz
ist geweckt und schon damals war für mich klar - schieben ist nicht - entweder
komplett rauf - egal wie - oder umdrehen - auf keinen Fall absteigen. Die Straße steigt an, die Steigung geht sofort in den zweistelligen Bereich .. und sie bleibt dort. Der Puls geht sofort in den dreistelligen Bereich und schickt sich an, die 200 zu knacken. Nach wenigen Minuten ist es aus. Ich kann nichts mehr erkennen, ich höre nur meinen Puls und mir ist kotzübel. Umdrehen und heimtreten nach Klagenfurt - im Schneckentempo. Wieder komme ich wie ein geprügelter Hund an. Aber .. ich bin ein Kämpfer - eine Eigenschaft, die mir in meinem Leben schon oft gut weitergeholfen hat. Eine Woche später - gleiches Ziel - gleiches Schicksal aber .... Der Punkt meines "Scheiterns" ist gut 300 Meter weiter am Berg. Eigentlich empfinde ich das nicht mehr als Scheitern, eher als kleinen Sieg. Ich habe zwar den Berg nicht bezwungen aber immerhin einen Etappensieg über mich selbst erreicht. Zurück in Klagenfurt, komme ich mir nicht mehr wie ein geprügelter Hund vor. Und wieder und wieder ... immer der gleiche Berg - mein persönlicher Schicksalsberg! Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie viele Anläufe notwendig waren aber als ich schließlich vor der alten Wehrkirche in Diex stehe, dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Nun bin ich der König der Landstraße. Noch jetzt, während ich dies schreibe, überkommt mich ein kribbelndes Gefühl. Mein erster Sieg über einen Berg und vor allem über mich selbst. |
2 Jahre später - Rennradfahren ist ein Teil meines Lebens
| Zwei Jahre nach meinem Beginn meines Lebens als "Hobbyradler" erkenne ich meinen
Körper kaum wieder. Die übertriebenen Pakete auf den Schultern und Armen sind
verschwunden.
Meine Hosen habe ich alle aufgeben können, denn sie flattern nur mehr an meinen
dünneren Oberschenkeln. Und meine Wadeln - also ein Bildhauer hätte seine helle
Freude daran.
Ich befinde mich zwischen zwei Welten. Für meine Freunde aus dem Fitnesscenter
bin ich nur mehr "ein Strich in der Landschaft". Und für meine neuen Freunde aus
der Zunft der
"Ritter der Landstraße" bin ich ein Fleischklops - vor allem für die Bergfexe.
Die bestehen für mich nur aus Beinen mit ein bisserl was darüber, damit der Kopf
nicht auf dem Becken aufliegt. Aber in der Ebene - da geht es dahin. Ich habe mittlerweile 73kg und kein Fett auf den Rippen. Das kann ich in der Ebene in Tempo umsetzen und das tue ich auch. Das Rosental rauf- und-runter oder mal schnell in der Mittagspause einmal um den Wörther See. Bin ich ein Radfanatiker - ein Wahnsinniger - ein Freak ??? Ja, das wird wohl so sein denn für mich gibt es streckenweise wirklich nur mehr den Gedanken - nach der Tour ist vor der Tour. Einer der Arbeitskollegen von meinem Vater ist Herr Berger (bzw. er war es .. aber wie gesagt - ich erlebe ja jetzt alles nochmal). Ein echter Bergfahrer - ein Beinmensch. Der ist auf den Bergen zuhause. Ich meine oft, in der Ebene bei Seitenwind muß er aufpassen, daß er nicht davongeweht wird. Er möchte auf die Turrach fahren (achtung - die Straße war damals nicht entschärft) und ich will mit. Herr Berger schaut mich an und schüttelt nur den Kopf. Er sagt mir, daß es in der Kärntner Radszene ein ungeschriebenes Gesetz gibt. Wenn Du mehr als 70kg hast, ist die Turrach (von der Kärntner Seite) nichts für Dich. Das kann ich nicht akzeptieren. |
Die Turrach, ein knackiges Erlebnis - in vielerlei Hinsicht.

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Ich habe schon erwähnt daß ich ein Kämpfer bin und aufgeben -- nur wenn mein
Herz beim Hals rauskommmt. Ich sage Herrn Berger, daß ich unbedingt hoch will.
Er gibt mit 2 Monate - also
runter mit den Kilos, ich muß doch die 70kg nach unten knacken. Weniger essen -
aber das bei meinem Kalorienbedarf - ich frühstücke ausgiebig, ich gönne mir
eine Jause, ich esse voll zu Mittag
und am Abend könnte ich wieder eine Riesenportion verdrücken -- und tue es auch.
Aber die Turrach winkt. Unvermittelt und ohne Erbarmen beginnt die Steigung -
natürlich zweistellig und nicht mit einer 1 davor - meist mit einer 2 und binnen
weniger Minuten kommt es mir vor, als krabble ich mit meinem
Rad eine senkrechte Felswand hoch. Den Sattel habe ich schon längst verlassen
aber nun möchte ich mich doch kurz hinsetzen. Hätte ich es bloß nicht getan.
Mein Vorderrad verliert sofort den Kontakt
zur Straße und beinahe hätte ich Kontakt mit dem Asphalt aufgenommen. Dann wäre
das Abenteuer Turrach vorbei gewesen. Von hinten ertönt ein
"spinnst-steh-sofort-auf" ... geklungen hat das eher
wie "spi.chch....ste chch f..." Aber da war ich schon wieder aus dem Sattel.
Alles in mir schreit, meine Arme, meine Beine, ich sauge gefühlt hunderte Liter
Luft pro Atemzug in mich rein und es reicht
nicht aus. Der Schmerzlevel erreicht ungeahnte Höhen. Meine Wahrnehmung
beschränkt sich auf .. Treten-Ziehen-Atmen-Schmerz-Straße- immer enger - am Rand
wird es dunkel - warum - es ist doch
nicht Nacht -- und dann - plötzlich ist es vorbei - die Hölle
verschwindet, als ob es sie nie gegeben hätte und die Turracher Höhe ist
erreicht. Und die Waage ... die zeigt unter 70kg - Herr Berger hat also
doch recht gehabt. |
Die Gegenwart - etwa 30 Jahre später, ich bin nun 51 Jahre alt - oder
eher jung.
| In der Zwischenzeit bin ich vom Kärnter zum Bayern (nein,
nicht der auf Rügen) geworden und ich fühle mich in diesem Land sehr wohl. Tolle
Leute und ich lebe in einer sehr schönen Beziehung.
Auch beruflich hat alles geklappt, ich habe meine eigene Firma und alles geht
seinen gewohnten und durchaus guten Lauf. Nur das Radfahren habe ich aus den
Augen verloren. Warum, das
weiß ich nicht. Nun - so ganz habe ich das Radfahren natürlich nicht aufgegeben.
Ich weiß noch, wo bei einem Rad die Pedale sind. Mein Colnago aber ist verkauft.
Ich hoffe, es macht einen
Radfan glücklich und erfüllt so noch heute seine Bestimmung. Ich bin, bis Sommer 2015 ein klassischer und von vielen gefürchteter Urlaubsradler geworden. Mein Gewicht ist auf etwa 85kg angestiegen "la dolce vita" - aber ein Schwarti bin ich doch nicht geworden. Seit etwa 10 Jahren fahren wir jeden Sommer ins Burgenland an den Neusiedler See. Und unser dortiges Hotel hat einen sogenannten "Hotelgeppel". Also ein Rad mit gut 20kg was aber auf der Straße doch recht gut läuft, und im Burgenland sind Anstiege ja eher Mangelware - zumindest rund um den Neusiedler See. Also jedes Jahr im Sommer hiefe ich meinen Luxuskörper auf dieses bedauernswerte Rad. Oft meine ich, es erzittert, wenn ich komme und versucht, sich in den hintersten Winkel der Scheune zurückzuziehen. Aber keine Chance - ich finde es und ich quäle es, denn Kraft habe ich noch immer und durch regelmäßiges Laufen auch gut Ausdauer. Aber - 30 Jahre hinterlassen doch Spuren am Körper. Ich bin nun in einem knackigen Alter - überall knackt es. Und meine Knie ... oje .. Laufen bedeutet zwar ein gutes Gefühl aber auch Schmerzen. Habe ich schon erwähnt - Der Mensch lernt am besten durch Schmerzen? |
Emil, ein sehr guter Freund von mir stellt mir eine
entscheidende Frage.
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Emil ist mit uns das erste Mal an den Neusiedler See gekommen. Der Urlaub im
Burgenland ist für mich eine tolle Kombination aus Musical, gut Essen, Zeit für
Freunde zu haben und natürlich
... Radfahren. Ich bin halt zum Urlaubsradler mutiert. Als ich eines Tages
erschöpft aber glücklich von einer Tour (etwa 50 Kilometer) zurückkomme, klaubt
mich Emil auf und sagt zu mir:
"Wolfi, ich kann mich doch noch erinnern, wie gerne Du radgefahren bist, wir
kennen uns ja schon seit etwa 30 Jahren. Und ich sehe auch, wieviel Spaß Dir das
Radfahren heute noch macht.
Warum zum Teufel kaufst Du Dir kein gescheites Rad, Du arbeitest viel, mehr als
die meisten Leute, die ich kenne. Du kannst es Dir doch leisten." Mein Gefühl, als ich mein neues Rennpferd in die "Arme" schließe ist unbeschreiblich. Es ist wunderschön und so leicht. In dem Moment, wo ich mein Inissio sehe weiß ich. Eine neues Kapitel in meinem Leben als Hobbyradler beginnt. Ich freue mich auf eine Zukunft voller Abenteuer und Erfahrungen. |

2015 - Der Beginn meiner 2. "Radsport Karriere" oder ... wie schnell kann man eigentlich süchtig werden?
| Es ist Ende Juli 2015 und ich bin nun stolzer Besitzer eines
Rennrades - naja fast - mein Simplon Inissio schaut, wegen seiner dickeren
Reifen, der Kotflügel
und des geraden Lenkers eher aus wie ein "Deluxe Citybike" aber was solls - ab
auf die Straße mit mir. Rennrad Dress habe ich und, dank meiner kurzen und
zweifelhaften Karriere als Skater (das sind die Dinger mit Rollen dran) habe ich
auch einen gut sitzenden Helm. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir nach etwa 30jähriger Abstinenz zum Radsport geht. Eine Hintertür habe ich mir ja offen gehalten. Immerhin habe ich, streng genommen, ja gar kein Rennrad, also muß ich mich auch nicht, wie ein Rennrad Fahrer aufführen. Dieser Vorsatz hält lange ... genauso lange, bis ich meine erste Tour beginne. |
Meine erste Tour von Baldham nach Glonn und zurück ... und vorbei wars mit den guten Vorsätzen

| Klickpedale - wow also die Technik hat sich wirklich weiter entwickelt. Ich kann
mich noch gut an die halbtauben Zehen erinnern, die durch zu stramm angezogene
Schnallen entstanden sind. Was wird wohl als nächstes kommen, ein Fahrrad, das
von selber fährt? Ah hoppala, das haben wir ja schon (E-Bikes). Aber zurück
zum Thema - meine erste Fahrrad Tour: Baldham - Glonn - Oberpframmern - Baldham
... das war in den vergangenen 30 Jahren auch das Weiteste, was ich
in Bayern zurückgelegt habe. Nur im Burgenland, am Neusiedler See habe ich mich
weiter getraut .. da ist es ja auch so wunderschön flach. Also los gehts, an Zorneding vorbei, einen kurzen dankbaren Blick zu Zweirad Hoffmann, der mir dieses schöne Rad beschert hat. Ja, wo ist denn eigentlich diese Steigung geblieben, die ich mit meinem alten Stadtrad immer gemerkt habe. Hinter Zorneding gehts ab in die Pampa - rauf nach Buch und dann .. meine erste Abfahrt - runter nach Moosach. Ah - das ist Rennradhimmel! Die Bäume flitzen nur so an mir vorbei. Und dann - diese herrliche Strecke von Moosach nach Glonn - leichte Kurven, mal eine Kuppe, dann wieder ein Gefälle. In mir macht sich ein Gefühl breit, welches ich seit Jahrzehnten nicht mehr gekannt habe. Ich erinnere mich an meine Rennradler Zeit in Kärnten. Die Geschwindigkeit, der Asphalt unter mir, das Rauschen des Windes in den Ohren, das beständige Hämmern des Pulses - mal schneller - mal langsamer ... Mehr schnell, als langsam wird mir klar. Ich bin wieder süchtig! Aber noch steht mir etwas bevor. Die Steigung hinter Glonn in Richtung Oberpframmern. Wird es mir so gehen, wie bei meinem allerersten Ausritt in Kärnten? Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder doch an einer etwas besseren Grundkondition, als damals. Jedenfalls geht es zügig bergauf, sicherlich meine Atmung wird immer schneller aber ich bin weit weg vom kritischen Bereich. Da geht noch mehr. Oben am Berg angekommen stelle ich fest, dass es gerade noch gereicht hat. Immerhin - hundert Höhenmeter im Stück - das ist schon was. Und - von nun an gehts bergab aber nicht mit meiner Laune, sondern mit der Straße, denn der Berg hinter Glonn ist zugleich der höchste Punkt der Tour. Schnell normalisiert sich meine Atmung und ich fege meinem Start- und Zielpunkt in Baldham-Dorf entgegen. Herrlich - es ist nur schade, daß ich keine anderen Radfahrer sehe, die in meine Richtung fahren ... ich könnte schon wieder auf die Jagd gehen. Die "Glonner Runde" wie ich sie nenne, sollte zu meiner Haustour werden - immerhin 40 Kilometer und 350 Höhenmeter (bayerisches Hügelland sei dank) - eine feine Runde für mal zwischendurch. |
Das Internet spukt mir in die Suppe
| Einige Wochen später und etwa 250 Kilometer in den Waden suche
ich den Radhändler meines Vertrauens wieder heim. Ich möchte endlich wissen, wie
schnell ich
unterwegs bin - ein Tacho muß her! Fluchs montiert und - wow - schon beim
Heimfahren knacke ich locker mal die 30 km/h Marke - mein Inissio geht wirklich
ab. Doch
nun mache ich einen Fehler, der sich aber später als eine richtige Entscheidung
herausstellen sollte. Ich suche im Internet nach Rennrad Videos um mich zu motivieren. Schließlich fühle ich mich schon wie ein Rennradler, fast schon wie in meinen alten Kärntner Tagen. Schnell werde ich fündig. Aber was ist das - alle Rennräder haben den nach unten gebogenen Lenker. Ich suche und suche - aber fast nirgends finde ich Videos mit Rädern, wie meines. Das Internet bestätigt mir, was ich eigentlich schon innerlich weiß, nur nicht wahrhaben möchte. Ich habe beim Kauf einen kleinen Fehler gemacht. Aber wer kann denn ahnen, daß es mich so schnell packt. Ich wollte ursprünglich ein Allround Rad und keinen Renner. Etwa zwei Monate verbringe ich noch in meiner selbst gewählten "Halbwelt", dann ist es genug - ich bin ein Rennrad Fahrer also will ich auch ein Rennrad haben. Also - wieder mal suche ich den Radhändler meines Vertrauens auf, Zweirad Hoffman in Pöring und teile ihm mein Vorhaben mit. Mit einem Zwinkern in den Augen schaut mich Herr Hoffmann an und meint: " Hat es Dich schon gepackt." Ich kann nur nicken und 2 Wochen später bekomme ich einen lang ersehnten Anruf. Meine Rennmaschine ist fertig. Herr Hoffmann bringt das Rad sogar in meine Firma "Teleskop-Service" nach Parsdorf. Ein paar Tage später, ich sitze in meinem Büro, bekomme ich einen internen Anruf. "Du, Wolfi, da ist jemand für Dich da, der hat so ein Radl dabei." Ich glaube, so schnell war ich noch nie die Treppen runter - ich öffne die Tür und... da steht es - mein "neues" Inissio. Schlank, elegant in mattschwarzem Look, mit den schmalen Reifen und dem Rennlenker. Ich sage zu mir - wow - genauso habe ich es mir vorgestellt aber mein Rad so live vor mir zu sehen, das ist einfach herrlich. Herr Hoffmann setzt noch einen drauf mit trockenen Worten: "Die bessere Position am Lenker und der geringere Luftwiderstand wird noch etwa 1,5kmh bringen, ohne größere Kraftanstrengung." Ich glaube, noch nie war ein Arbeitstag so lange, ich denke es ist klar, wo ich die kommenden Stunden verbringen werde. |
Mein "neues" Rennrad
(Werksfoto)
November 2015 - es läuft wie geschmiert
| Ah - Rennradeln ist herrlich. Seit der Montage des Akkus habe ich 1700 Kilometer
zurückgelegt. Die meisten Touren haben mich in Richtung Süden und Osten geführt.
Glonn hat mich sicher schon 20 Mal gesehen und jede der Steigungen um Glonn
kenne ich in- und auswendig. Auch die lange Ziehgerade zwischen Forstinning und
Ebersberg kenne ich gut. Beim ersten Mal habe ich an mir gezweifelt, was ist
denn mit meiner Kraft los, ich humple mit 29 km/h dahin, keuche wie eine
Lokomotive, und es geht nichts weiter. Inzwischen weiß ich, dass die Strecke ganz leicht ansteigt - minimal aber man spürt es. Langsam werden auch meine Touren weiter. Unter 50 Kilometer geht nichts und nur selten ist mein Schnitt unter 30 km/h. Und das besondere, ich bin, wenn ich daheim ankomme, alles andere als kaputt, ich könnte Bäume ausreißen. So kann es immer weitergehen, jede Tour ein bisserl länger und immer schön schnell - das ist mein Motto. |
Navigation ist alles ... und wieder mal "Schmerz"
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Die Planung meiner Touren wird immer professioneller. Früher bin ich einfach
drauflos geradelt und habe mich überraschen lassen, wohin mich meine Wadeln so
bringen.
Eine Zwischenstufe ist Google Maps - ich habe einfach Fahrrad Vaterstetten und
mein Ziel eingegeben und Google hat eine feine Karte ausgespuckt. Ich habe mir
dann
die Ortschaften aufgeschrieben und den Zettel auf meinen Rahmen geklebt. Meist
war ich ab der dritten Ortschaft völlig woanders - wo zum Teufel habe ich die
Tour
verlassen. Kilometerstand Ende 2015 |
2016 wird ein tolles Jahr
| Seit vielen Jahren lebe ich nun in Bayern. Ich führe ein schönes Leben, ich habe eine wunderschöne Partnerschaft, bin beruflich erfolgreich, habe meine Hobbies und auch zwei ganz liebe Hunde. Meine Gesundheit ist auch in Ordnung. Es geht alles seinen Weg und die Highlights sind spärlich im Jahr gesät aber doch vorhanden. Ich bin ein glücklicher und zufriedener Mensch. Aber heuer ist doch vieles anders. In mir ist eine spannende Erwartung. Ich stelle mir vor, wie es ist, die ersten warmen Tage auszukosten und weg von der Rolle wieder auf die Straße zu gehen. Und - ich habe für nächstes Jahr ein tolle Ziele. |
Wolfi Ransburg
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