Tour Länge: 13,4 km (von Zell am See aufs Hochtor)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13,4 km/h
Höhenmeter: 1910 hm
Details zur Tour auf
Komoot.de
Ich habe die Strecke extra zwischen Auf- und Abfahrt geteilt, um die reinen
Anstiegzeiten unverfälscht zu haben. Die Abfahrt zurück nach Zell am See habe
ich extra aufgezeichnet.Einmal muss man die Königin bestiegen
haben, ich meine natürlich die Königin der Passstraßen, die Großglockner
Hochalpenstraße. Am 21. September ist es soweit. Früh morgens packe ich mein
Rennrad in meinen Transporter und ab gehts von Baldham nach Zell am See, purer
Rennrad-Lust entgegen.
Von der Steigung her ist sie sicherlich nicht die schwierigste Straße, selten
geht sie über 12% aber und das ist die Herausforderung, auch selten darunter. So
gesehen ist die Hochalpenstraße sicherlich keine Spazierfahrt. Von Zell am See
nach Fusch geht es moderat dahin, kaum Steigung, ideal zum warm werden, bevor es
ernst wird. Der Blick in die Berge zeigt schon, worum es geht - Hauptsache
bergauf!
Der Blick in die Berge, langsam lichten sich die Wolken
Gleich nach dem Schild "Beginn der Großglockner Hochalpenstraße" zeigt mir die
Straße auch ihre Zähne. Es geht bergauf - ohne Unterlass. Gut, irgendwie muß ich
ja über 1900 Höhenmeter schaffen und das funktioniert nicht, wenn es nur eben
dahingeht - also raus aus dem Sattel und rein in den Wiegetritt. Der Tacho zeigt
brav zwischen 10 km/ und 15 km/h an.
Die Mautstation
Radfahrer müssen natürlich keine Maut zahlen, wir haben sogar einen eigenen
Eingang in die Straße mit einem Zählwerk. Schnell durch und gleich nach der Maut
gehts dahin - die Höhenmeter werden gefressen. Kehre um Kehre - Tritt um Tritt.
Das Schöne an der Hochalpenstraße ist die gleichmäßige Steigung. Sehr schnell
komme ich in meinen Rhytmus, meine Atemfrequenz passt sich der Trittfrequenz an
und in regelmäßigen Abständen gehe ich aus dem Sattel, um meine Kräfte zu
schonen. Der Tacho zeigt gleichmäßig 9-11 km/h an. Das ist genau mein Ding, so
kanns weitergehen - und so gehts auch weiter. Ich erreiche einen fast
meditativen Zustand, kann eigentlich nicht mehr sagen, wie lange ich schon
trete, es ist ein herrliches, fast schon entrücktes Gefühl, welches nur von den
kurzen Trinkpausen (natürlich in Bewegung) und der beeindruckenden Landschaft
unterbrochen wird.
Ein schnelles Portrait meines Simplon Rennrades
Bald sind die Bäume unter mir, die Landschaft wechselt fast aprupt ins
Hochalpine. Weiter gehts - bergauf - vor mir ein Kollege der allerdings etwas
langsamer als ich unterwegs ist. Bei der Vorbeifahrt wünschen wir uns
gegenseitig viel Glück, eine Bemerkung lässt mich aufhorchen, er sagt,
gottseidank ist es nicht mehr weit und tatsächlich ...
Eine letzte Anstrenung vor dem Fuschertörl
... es ist ein Ende in Sicht, ein paar Kehren noch und dann winkt das
Fuschertörl, einer der beiden Gipfelpunkte. Diese letzten Kehren haben es aber
noch in sich. Auch hier kennt die Straße keine Gnade und auch die dünne Luft
wirkt sich nun doch auf meine Atemfrequenz aus, die schon etwas höher ist, als
meine Trittfrequenz. Die Temperatur ist inzwischen auf etwa 3 Grad gesunken. Die
Wolken sind allerdings nach wie vor recht dicht, so daß der Blick auf die
wunderschöne Bergwelt mir verwehrt bleibt. Doch je näher ich dem Fuschertörl
komme, desto heller wird es, sollte ich Glück haben - das wäre ja wirklich die
Krönung.
Wildromantische Natur - direkt an der Straße
Die Straße ist wirklich ein Erlebnis, perfekt gepflegter Asphalt inmitten eines
einzigartigen Bergpanoramas. Die Hochalpenstraße ist ein perfektes
Trainingsgelände und eine Inspiration zugleich. Dass nicht nur ich so empfinde,
zeigen die vielen Rennradler, die ich überholt habe. Kurz vor dem Fuschertörl
passiert es. Ich höhre hinter mir ein gleichmäßiges Atmen - da wird doch nicht
... doch - nur wenige Augenblicke später fährt ein Rennradler an mir vorbei. Na
das geht ja gar nicht und nochmal raus aus dem Sattel. Zum Überholen reicht es
nicht aber immerhin, ich halte den Abstand von wenigen Metern, bis zum Gipfel.
Das erste Siegerfoto am Fuschertörl
Und ich sollte noch richtig Glück haben, der Blick in Richtung Süden zeigt
klaren Himmel. Das Fuschertörl ist die Grenze, die Wetterscheide.
Das beeindruckende Panorama
Jetzt werden erstmal Höhenmeter vernichtet, es geht runter zur Fuscher Lacke,
einen kleinen See. Die Abfahrt hat es in sich, ich fange an, unkontrolliert zu
zittern, die 3 Grad fordern ihren Tribut. Ich freue mich schon auf die Steigung
zum Hochtor, dem Gipfelpunkt der Straße, der innere Ofen muß wieder angeworfen
werden. Nochmal pumpen, nochmal treten und dann ist es geschafft - das Hochtor -
der Eingang in mein Geburtsland Kärnten ist erreicht.
Das Hochtor, der höchste Punkt der Straße
Das ultimative Siegerfoto - so hoch war ich mit meinem Rennrad noch nie
Doch nun ist es höchste Zeit und meine warmen Klamotten werden aus dem Rucksack
geholt. Denn eine lange Abfahrt steht mir bevor, vorbei an der Fuscher Lacke ...
Die Fuscher Lacke
... und an Bergbewohnern, die mich argwöhnisch beäugen.
Vierbeinige Bergbewohner - denen ist es sicherlich wärmer.
Kurz nach dem zweiten Aufstieg auf das Fuschertörl werde ich mit einem
herrlichen Ausblick belohnt. Einer der vielen Dreitausender erhebt sich
majestätisch aus den Wolken. Ein Anblick, der mir noch lange im Gedächtnis
bleiben wird.

Von nun an gehts bergab ... eines weiß ich inzwischen sehr gut, mir gefallen die
Anstiege besser, als die Abfahrten. Trotzdem macht es Spaß, es muß ja nicht
gleich auf 80 km/h hochgehen. 70 km/h am Rennrad sind schnell genug und bei der
herrlichen Straße ist das auch möglich, auf gewissen Teilabschnitten. Doch
plötzlich, inmitten der Abfahrt, fangen meine Beine unkontrolliert an zu
zittern. Die Anspannung ohne Bewegung und die Kälte, das ist keine gute
Kombination. Also fleißig mitgetreten, auch wenn es praktisch im Leerlauf ist.
Nach kurzer Zeit kehrt die Wärme zurück und das Zittern hat ein Ende.
Viel zu schnell bin ich wieder zurück in Zell am See. Der Adrenalin pulst noch
durch meine Adern und in meinem Überschwang entschließe ich mich, gleich die
Heimreise nach München anzutreten.
Das hätte ich, aus heutiger Sicht, nicht mehr getan, denn nach einer guten
Stunde im warmen Auto ist es mit der Konzentration bergab und mit der Müdigkeit
bergauf gegangen. Ein Cola hat mich noch über die letzten Kilometer gerettet.
Erschöpft und glücklich und Gott-sei-Dank ohne Unfall bin ich heimgekommen. Das
war ein ultimativer Radtag, wie ich es nur sehr selten erlebt habe.
In einem bin ich sicher, die Königin der Alpenstraßen wird mich wiedersehen und
beim nächsten Mal werde ich sie nutzen, für eine Überquerung der Alpen, zum
Beispiel von München nach Klagenfurt, da liegt diese Schönheit ja zufällig auf
dem Weg.
Wolfi
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