Tour Länge: 171km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 33 km/h
Höhenmeter: 1610 hm
Details zur Tour auf
Komoot.deEines der großen Highlights des
Rennrad-Jahres ist sicherlich die Rosenheim Radrundfahrt. Noch nie bin ich mit
einer so großen Gemeinschaft unterwegs gewesen und auch von der Streckenlänge
her stellt die Tour 3 mit knapp 172km Länge einen persönlichen Rekord dar. Mit
entsprechend großem Respekt mache ich mich am Sonntag, den 26.6. auf nach
Rosenheim.
Das Wetter hat laut Vorhersage vor allem Schauer für uns bereit und bereits auf
der Autobahn durchquere ich die ersten Regenfronten. "Lass wenigstens den Start
trocken sein .. " denke ich mir. Und tatsächlich, als ich gegen 7h morgens am
WEKO Parkplatz ankomme, sind die Regenfälle abgeklungen und es herrscht schon
reges Treiben am Gelände. Sofort stellt sich bei mir unbändige Vorfreude ein,
die Menge an Gleichgesinnten, die in wenigen Minuten mit mir gemeinsam auf der
Strecke sein werden mit nur einem Ziel - die Freude am Radsport auszuleben,
alleine der Gedanke spornt mich an. Schnell die Startnummer abgeholt und schon
wurde mir mitgeteilt, daß ich mich der aktuellen Gruppe anschließen kann, also
ab zum Startplatz.

Etwa 15 Leute sind in meiner Gruppe und mit der Gruppe sollte ich
wirklich Glück haben. Vom Tempo her geht es gleich zügig zur Sache, mein
Tacho zeigt meist zwischen 33km/h und 40km/h an. Durch den gegenseitigen
Windschatten ist das Halten des Tempos aber kein Problem. So kann es
wirklich weitergehen. In Au bei Bad Aibling biegt die Tour in Richtung
Norden ab. Sie führt über welliges Terrain mit leichten Anstiegen bis
nach Rott am Inn. Die kleinen Hügel werden mit Kraft durchgetreten und
langsam verkleinert sich auch die Gruppe. Ich kann gut mithalten,
meine Atemfrequenz erhöht sich kaum.
Mein Tacho zeigt 45 gefahrene Kilometer, als wir den Inn überqueren, der
noch immer Hochwasser führt. Eine erste etwas längere Steigung führt uns
aus dem Inntal heraus nach Griesstätt. Weiter bröckelt die Gruppe aber
dafür kommen neue Leute hinzu. Es ist eine tolle Stimmung und auf den
ebenen Stücken bleibt auch immer Zeit für einen kurzen Plausch. So macht
Radfahren in der Gruppe Spaß - kann echt süchtig machen, vor
allem, wenn man fast immer alleine unterwegs ist.
Ich bin der, auf den der Pfeil zeigt
Die Tour führt uns nun wieder in Richtung Süden, parallel zum Inn über
wunderschöne kleine Straßen. An dieser Stelle möchte ich ein Kompliment
an die Tourenplaner aussprechen. Die Straßenführung ist erstklassig,
kaum Verkehr und die Bundesstraßen werden sehr gut gemieden. Nördlich
von Rosenheim macht die Tour einen Schwenk Richtung Osten hin zum Simsee.
An den Ufern des Sees angelangt wissen wir, nach 75 Kilometer
Einrollzeit ist der gemütliche Teil der Tour vorbei, es geht in Richtung
Berge. Und schon der erste Anstieg rauf nach Gattern hat es in sich.
Stolze 200 Höhenmeter mit guter Steigung lassen unsere Gruppe in die
Länge ziehen. Auch mein Puls schießt schlagartig in die Höhe aber die
Motivation, vorne dabeizubleiben, ist groß. Also raus aus dem Sattel und
ab in den Wiegeschritt.
Ah die Steigung ist vorbei und ich habe nicht den Fehler gemacht, mich
voll zu verausgaben, denn ich weiß, gerade erst die Hälfte der Tour ist
geschafft und es hat gereicht, mit den Schnellen mit zutreten. Unsere
Gruppe besteht inzwischen nur mehr aus 8 Leuten und einer macht das
Tempo. Ein echtes Tier - und ich bin ihm dankbar! So schnell bin ich die
Berge noch nie raufgetreten und in der Ebene fliegen wir einfach tief
dahin.
Nach knapp 90 Kilometer steht die zweite Verpflegungsstation am Plan.
Die erste haben wir ausgelassen, wir haben nur den Stempel kassiert.
Nach den Steigungen tut etwas Flüssigkeit und eine kleine Rast gut. Die
Stimmung an der Raststation ist toll. Man könnte hier locker sitzen
bleiben aber uns zieht es weiter in die Berge, dem höchsten Punkt
unserer Tour entgegen. Entlang der Prien geht es stetig bergauf, wir
nähern uns der österreichischen Grenze. Allerdings ist die Steigung sehr
moderat, fast schon flach und ein leichter Rückenwind treibt uns dahin.
Kurz hinter der Grenze haben wir den höchsten Punkt unserer Tour
erreicht auf 756 Meter und werden mit einem atemberaubenden Ausblick ins
Inntal belohnt. Die Sonne scheint für kurze Momente durch die tiefen
Wolken und beleuchtet Teile des Tals. Der Anblick ist fast schon
mystisch. Normalerweise würde ich stehen bleiben und meine Kamera zücken
aber nicht heute, heute wird in der Gruppe geradelt. Ich weiß aber schon
jetzt, da komm ich wieder her.
Nun steht uns eine feine Abfahrt ins Inntal bevor. Fast 80 km/h zeigt
der Tacho auf den längeren geraden Strecken. Cool ... denke ich und
genieße den Fahrtwind, so kanns weitergehen !! Das tut es natürlich
nicht denn im Inntal angekommen, beschließt der Rückenwind wieder mal
von vorne zu kommen. Aber in unserer Gruppe ist das kein Problem, wir
radeln dahin, als ob es kein Morgen gäbe.
Ein zweites Mal treffen wir auf den Inn und eine
leichte Konfusion macht sich breit. Ein Teil der Gruppe fährt geradeaus,
ein Teil biegt rechts ab. Ich sehe aber, wie die Leute nach wenigen
Metern bremsen und besprechen. Also denke ich, wird der Weg geradeaus
schon der richtige sein. Ein Fehler, denn als ich mal kurz zu einem der
Radkollegen aufschließe erfahre ich, daß es hier zum Marathon geht, rauf
aufs Sudelfeld. Naja, hätte ich schon mitgemacht aber das hätte mein
Zeitfenster gesprengt, also umdrehen und dem Navi folgen. Mist, denke
ich, meine Gruppe ist nun auf und davon, ein Teil ist unterwegs auf das
Sudelfeld und der andere Teil ist mir sicher schon ein paar Kilometer
voraus.
Ah Glück gehabt, auf der Höhe von Erl gibt es eine Verpflegungsstation
und wen treffe ich dort, meine Gruppe - genau gesagt die verbliebenen
drei Leute. Ein kurzer Stopp, den Stempel abholen und schon gehts los.
Die paar Kilometer alleine gegen den Wind spüre ich noch in den Waden.
Erfreut vernehme ich die Worte... die Steigung noch und dann gehts nur
mehr bergab. Kann ja nicht mehr so schlimm sein - denke ich.
Bei Nußdorf am Inn, immerhin mit knapp 130 Kilometer in den Waden, gehts
ein letztes Mal in die Berge rein, entlang des Mühltals. Die Steigung
zieht sich aber an ein Nachlassen ist nicht zu denken. Immer taucht in
meinem Hirn die Bemerkung auf - es ist die letzte Steigung. Also nochmal
alles rausgeholt und rauf auf den Berg. Unsere Gruppe ist inzwischen auf
vier Leute zusammengeschrumpft und ich kann das Tempo halten aber mit
voller Kraft. Alleine hätte ich den Berg wesentlich ruhiger angehen
lassen aber die Motivation in der Gruppe lässt mich ungeahnte Reserven
finden. Oben angekommen, warten wir erstmal auf den Rest, den wir hinter
uns gelassen haben. Ich bin überrascht, wie schnell sich mein Atem
wieder normalisiert, das Training macht sich wirklich bezahlt. Nach
wenigen Minuten sind wir komplett und es geht wieder nach Frasdorf
runter, zur Verpflegungsstation.

Die Station hat sich mittlerweile gut gefüllt, denn hier treffen sich
einige Touren. Die Leute waren ganz überrascht, wie schnell wir wieder
aus Tirol zurückgekommen sind. Unsere Antwort .. naja, wir sind halt
tief geflogen, was durchaus auch seine Richtigkeit hat. Die Stimmung ist
wieder mal TOP und die netten Leute vor Ort schuften im Accord um uns
hungrige Radfahrer satt zu bekommen. An dieser Stelle auch ein
Kompliment an die Leute vor Ort. Ich merke es, da ist man mit Leib und
Seele dabei. Ich fühle mich einfach willkommen.
Frisch gestärkt, schwingen wir uns aufs Rad. Eben geht es dahin zurück
zu unserem Startpunkt südlich von Rosenheim. Auf kleinen Straßen fliegen
wir mit fast 40km/h und oft auch mit mehr dahin. Woher nehme ich nur die
Kraft, denke ich mir. Es ist einfach pures Glücksgefühl, noch so viel
Energie zu haben trotz der vielen Höhenmeter und der Länge. Wir ziehen
an anderen Rennradlern vorbei und nähern uns dem Ziel. Die letzten
hundert Meter und nochmal raus aus dem Sattel und Kette rechts - Da geht
noch was !
Angekommen - wir sind im Ziel - Ich spüre keine Müdigkeit, könnte gut
weiterradeln aber erstmals gibt es ein Erdinger-Alkoholfrei und wir
stoßen auf eine geniale Tour an. Gerne würde ich mich mit den Leuten
noch hinsetzen und alles nochmals Revue passieren lassen aber daheim
warten schon Leute auf mich. Also nochmal eine herzliches "Servus" und
ab ins Auto, auf die Autobahn, wo mich promt stehender Verkehr empfängt.
... Smile, mit dem Rad wäre ich schneller daheim gewesen, denke ich.
Eines weiß ich gewiss - kommendes Jahr werde ich sicher wieder dabei
sein, bei der Rosenheimer Radrundfahrt und dann werde ich die Marathon
Strecke machen. Ein Gedanke treibt mich noch rum - Wo findet die nächste
Radrundfahrt statt, so etwas kann süchtig machen!
Wolfi
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